Jahresbericht 2016 online!

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde,

 

 

Ich bedanke mich recht herzlich bei Ihnen allen, die auch im Jahr 2016 in vielfältiger Weise die Arbeit des Georgienprojektes unterstützt haben. Mit Ihrer Hilfe und der Unterstützung der Diakonie Sachsen durch die Solitätssparbriefaktion „Eine Welt“ der LKG Sachsen waren wieder zwei Mütter-Kinderwochen in Kwareli möglich, sowie der Transport von orthopädischen Hilfsmitteln und deren Übergabe an die georgischen Familien. Außerdem konnte ich sechs große Gymnastikbälle übergeben und mit vielem schönem Spielzeug von Ihnen Freude bereiten.

 

 

Im Frühjahr waren Herr Roland Stirl und ich in Georgien um bei Hausbesuchen Rollstühle zu kontrollieren und zu vermessen, sowie zur Mütter-Kinderwoche einzuladen. Nach dem orthodoxen Osterfest fand diese dann in Kwareli statt und wurde von unseren georgischen Mitarbeitern geleitet. Unser Ziel ist es ja, dass die Georgier mehr Verantwortung übernehmen und selbstständig tätig werden. Deshalb sahen Frau Martina Weidner, eine Physiotherapeutin aus Deutschland, die zum ersten Mal mit in Kwareli war, und ich uns als helfende Gäste. Welche Eindrücke Frau Weidner von der Zeit hat, schreibt sie so: „Ende April 2016 reiste ich zum ersten Mal für 12 Tage nach Georgien. Renate Engelmann erwartete mich dort und auch der Rehatechniker Roland Stirl weilte bereits in Tiblisi. In Deutschland arbeite ich in einem Heim für geistig- und körperlich schwerstbehinderte Menschen als Physiotherapeutin und wollte nun meine Erfahrungen und einige Tipps vor allem an die Eltern der behinderten Kinder in Georgien weitergeben. In Georgien wurde das Osterfest gerade groß vorbereitet und da konnten wir die Feierlichkeiten und Bräuche hautnah miterleben und am Fernsehgerät mit Nino verfolgen. Bei Ausflügen staunte ich über die zum Teil schon recht aufwendige Modernisierung der Stadt Tiblisi und den Erhalt der alten wertvollen Häusersubstanz. Aber ebenso gibt es noch viele Orte, die dringend einer Sanierung bedürfen. Die Menschen wohnen oft ärmlich, aber empfinden das wohl gar nicht so schlimm wie wir Außenstehende. In Kwareli trafen sich Mütter bzw. die Schwestern mit ihren behinderten Kindern für eine Woche zu einer Freizeit. Ich war vor der Reise sehr gespannt, wie es wohl mit der Verständigung klappen würde. Aber das funktionierte immer irgendwie, auch wenn Dolmetscherin Keti mal nicht zur Stelle war. Große fachliche Erklärungen über Behinderungen brauchte ich nicht geben, wie ich schnell einsah, da es für die Mütter einfach nur wichtig war, dass es ihrem Kind gut geht. Einige physiotherapeutische Behandlungen führte ich mit den Kindern durch und versuchte, den Müttern Hinweise für die Versorgung und den Umgang zu Hause zu geben. Wir hatten nur begrenzt Therapiegeräte zur Verfügung und mussten improvisieren, aber das müssen die Eltern ja auch. Gemeinsam unternahmen wir Ausflüge, zu Fuß mit den Rollstühlen auf den manchmal „abenteuerlichen" Wegen und per Taxi an einen See. Das war schon recht aufregend wie alles in das überhaupt nicht rollstuhlgerechte Fahrzeug eingeladen wurde und am Ende sogar das Spastikerdreirad hineinpasste!!! Ich musste an unsere Urlaube zu DDR- Zeiten denken und das wir jetzt mit unseren Rollstuhlbussen ganz schön verwöhnt sind! Die gemeinsamen Zeiten beim Basteln, Spielen, Morgenkreis oder sogar der Abendspaziergang haben uns einander näher gebracht und auch ohne die gemeinsame Sprache verstehen lernen. Und mit behinderten Menschen kommunizieren ist wohl über alle Ländergrenzen hinweg nicht schwer! Und in welchem Luxus wir leben wurde mir bewusst, wenn die Mütter von ihren Lebensverhältnissen berichteten bzw. Problemen mit der Tagesbetreuung ihrer Kinder. Es waren so viele Eindrücke, die ich schlecht alle wiedergeben kann und immer wieder fällt mir eine Episode ein. Ich bin dankbar, Georgien und die Menschen des Landes jedenfalls zu einem kleinen Teil kennengelernt zu haben und freu mich, wenn es mal ein Wiedersehen gibt.“

 

 

Im September wurden 23 unterschiedliche orthopädische Hilfsmittel, wie Rollstühle, Therapiedreiräder, Rollatoren und Pezzibälle mit Unterstützung der GIZ von einer Spedition nach Georgien gebracht und gegen „Quittung“  den Eltern durch die NGO übergeben. Jedes Hilfsmittel wurde von Herrn Stirl vor Ort angepasst. Wir haben so viele strahlende Gesichter gesehen. Eine kurze Episode möchte ich erzählen. Ein Junge sollte einen Rollstuhl bekommen. Er hatte sich aber ein Dreirad gewünscht und seine Enttäuschung war groß. Den Rollstuhl wollte er gar nicht abholen. Die Mutter sagte uns: „Er hat zum Gott gebetet, dass er doch noch ein Fahrrad bekommt“. Und am nächsten Tag war ein Dreirad übrig – und es passte! Die Freude war riesig!

 

Der Transport enthielt auch sechs große Pezzibälle zum Üben und Entspannen für die spastisch behinderten Kinder und die dazugehörigen Luftpumpen, sowie wunderschönes therapeutisches Spielzeug, welches in Kwareli zur Freude aller zum Einsatz kam. Ob der Musikwürfel, „Lotti Karotti“, Puzzle, Baukasten oder Puppenkleider, alles fand begeisterte große und kleine Spieler. Hier nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Spender.

 

In der Seminarwoche im Herbst lag der Schwerpunkt mehr auf kognitiver und kreativer Förderung, da die Kinder und Jugendlichen dieser Gruppe weniger körperliche Handicaps hatten. Frau Conny Adler, eine Heilerziehungspflegerin aus Deutschland, unterstützte die Woche mit sehr vielen guten und wohldurchdachten Angeboten. Sie schreibt selbst über diese Zeit:

 

„In diesem Jahr hatte ich die große Chance, mit nach Georgien zu reisen, um in Lagodechi Hilfsmittel und Spenden mit auszuteilen und in Kwareli zur Mutter-Kind-Woche Beschäftigungsangebote für die behinderten Kinder und Jugendlichen anzubieten. Beides hat mich sehr berührt, vor allem die Dankbarkeit der Familien und ihrer Kindern. Für mich war es natürlich auch eine große Herausforderung, da ich noch niemanden kannte und auch nicht wusste, wie meine Beschäftigungsangebote aufgenommen werden würden. Wir haben mit den Kindern und Jugendlichen gebastelt (z.B. mit Fingermalfarbe oder mit Knete) und auch Sport und Spiel kamen nicht zu kurz. Bei all diesen Dingen habe ich viel gelernt und bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit zu dieser Reise hatte. Aber natürlich waren auch Land und Leute wunderbar zu erleben. Die Gastfreundschaft ist einzigartig! Nochmals vielen Dank! Von den Erinnerungen werde ich noch lange zehren.“

 

In der Mütter-Kinderwoche wurden wir gleich am 2. Tag mit einem georgischen Theaterstück erfreut, gespielt mit viel Spaß von Jugendlichen aus der Behindertenwerkstatt in Tiblisi. Das hat alle sehr beeindruckt.

Uns ist es gelungen, für die Herbstwoche in Kwareli eine Ergotherapiestudentin aus dem 2. Studienjahr zu gewinnen. Nabo Kadjaia war neugierig und sehr interessiert an der Arbeit. Sie war eine Bereicherung für Alle. Ich hoffe sehr, dass eine längerfristige Verbindung zu dem neu in Georgien entstehenden Berufszweig entsteht, auch im Interesse der betroffenen Familien. Nabo schreibt:

 

 

„Im Hinblick auf behinderten Menschen finden wir in Georgien viele Probleme: nicht adaptierte Umgebung, viele Stereotypen, wenig Integration dieser Menschen und sehr oft die Verschlossenheit. Oft treffen die Probleme nicht nur den Behinderten, sondern die ganzen Familie. Dazu kommt, dass die Angehörigen wenige Informationen über Behinderung und Behindertenhilfe haben. Deswegen denke ich, dass solche Seminare gut und notwendig sind. Die Kinder haben eine schöne gemeinsame Zeit mit für sie hilfreichen und förderlichen Angeboten. Die Eltern können die Woche zur Entlastung und zur Kommunikation mit den anderen Müttern nutzen. Sie tauschen ihre Erfahrungen, Meinungen und Probleme aus. Für mich, als Praktikantin, war es lehrreich und gut mit den Eltern zu reden. Es wäre gut, wenn solche Erfahrungen auch andere Ergotherapiestudenten machen könnten. Ich würde auch gerne wiederkommen. Danke nochmals!”

 

Hat sich in Georgien etwas verändert, diese Frage wird mir oft gestellt. In Bezug auf behinderte Menschen und Soziales kann ich das bejahen, wenn es auch noch viele Hürden gibt und das Niveau niedrig ist. Im Frühjahr besuchten wir eine neue Tagesstätte für 20 Kinder und Jugendliche in der Nähe von Lagodechi. Es ist eine umgebaute 3-Raum-Wohnung mit einer Rollstuhlrampe. Es gab einen Fahrdienst, interessierte aber schlecht bezahlte Mitarbeiter und wenig Beschäftigungs-materialien. Vom Bürgermeister der Stadt Lagodechi hörten wir, dass auch in seiner Stadt eine solche Einrichtung geplant ist. Für diese wurden wir um Beratung für eine Projekterstellung gebeten. Bei meinem Besuch in Georgien im nächsten Jahr werden wir uns besprechen.

 

 

 

Im nächsten Jahr sind wieder zwei Mütter-Kinderwochen in Kwareli mit georgischer Leitung aus Mitteln der Sparbriefaktion „Eine Welt“ der Diakonie Sachsen und Ihrer Spenden geplant. Zu all unseren Vorhaben in Georgien bitte ich Sie um Ihre Unterstützung. Auch wer keine finanziellen Möglichkeiten hat, kann in Gedanken bei uns sein. Ich, die georgischen und deutschen Mitarbeiter, die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung und ihre Familien sind Ihnen sehr dankbar für jede Hilfe!

 

 

 

Ich wünsche Ihnen allen eine frohe und gesegnete Advents-und Weihnachtszeit, einen besinnlichen Jahreswechsel und ein behütetes neues Jahr. Ich freue mich, wenn Sie die Arbeit der Initiative, die Menschen in Georgien und uns weiterhin in vielfältiger Art unterstützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Renate Engelmann

Herrnhuter Losung

Lobet Gott in den Versammlungen. (Psalm 68,27)
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Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

 

 

 

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